Ein Tag mit Yannik und Philipp von den Kassel Huskies: Zwischen Therme, Training und 5.000 Fans

Es ist Montag. Freier Tag für die Kassel Huskies. Während die meisten Kasseler im Büro sitzen oder ihrer Arbeit nachgehen, haben Yannik und Philipp Zeit. Zeit für die Therme, fürs Frühstücken, für sich. Nur einen freien Tag in der Woche, mehr gibt es nicht im Profieishockey. Und an diesem Montag sitzen die beiden bei uns im Podcast, direkt nach einem grandiosen 6 zu 2 Auswärtssieg. Yannik mit zwei Assists und einem Tor, Philipp mit seiner zweitbesten Saisonleistung. Besser war er nur im September gegen Bietigheim.
Wer jetzt denkt, Profisportler hätten ständig Stress mit Fans, die sie erkennen und ansprechen, der liegt falsch. Zumindest in Kassel. Die beiden erzählen, dass sie regelmäßig montags in der Therme sind. Klar, hier und da spricht sie mal jemand an, fragt nach dem letzten Wochenende oder gratuliert zu einem guten Spiel. Aber aufdringlich? Nein. Die Leute lassen sie in Ruhe. Auch im Rewe oder Edeka kommt es mal vor, dass jemand sie erkennt. Aber es hält sich in Grenzen. Philipp lacht und sagt, in der Therme sei es zum Glück sowieso verboten, Fotos zu machen. Das nimmt schon mal viel Druck raus.
Dabei sind beide durchaus präsent in Kassel. Yannik wohnt hier, Philipp auch. Beide kennen die Stadt, die Ecken, die Leute. Für Yannik ist Kassel mittlerweile wie ein zweites Zuhause geworden. Philipp, dessen Vater früher selbst für die Huskies gespielt hat, ist hier aufgewachsen. Er kennt das Stadion von klein auf, die Atmosphäre, die Fans. Und genau diese Verbindung zur Stadt macht den Unterschied.

Wenn 5.000 Leute zugucken und es trotzdem einfacher ist als ein Referat

Eine Frage, die sich wohl jeder Fan stellt: Wie committed man sich zu einem Job, bei dem einem ständig 5.000 Leute zugucken, die es theoretisch alle besser können? Philipps Antwort überrascht. Er sagt, er hätte größere Probleme, einen Vortrag vor 20 Leuten zu halten, als vor 5.000 Zuschauern Eishockey zu spielen. Yannik nickt. Es gibt nichts Schlimmeres als ein Schulreferat, sagt er. Vor 5.000 Leuten auf dem Eis? Kein Problem.
Das liegt daran, dass man im Spiel in eine Art Tunnel kommt. Man nimmt gewisse Dinge wahr, aber nicht wirklich das Drumherum. Philipp erzählt, dass er manchmal Zeit hat, ein bisschen rumzugucken. Wenn die Stürmer vorne Druck machen und die Halle lauter wird, diese Atmosphäre, die einfach rüberkommt, das gibt ihm Gänsehaut. Dann spürt er, warum er das macht.
Für Yannik war das erste Mal in einer großen Halle wie Düsseldorf auch ein besonderer Moment. Klar, ist man da erstmal überwältigt. Aber dann will man dieses Gefühl in Aggressivität umwandeln, ins Spiel reinbringen. Allerdings mag er die kleineren Hexenkessel lieber. Diese originalen Eisstadien, wo man wirklich was von den Fans hört. In Düsseldorf ist die Arena zwar geil, aber man hört die Fans kaum. In Bad Nauheim zum Beispiel, auch wenn das Stadion nicht schön ist, die Stimmung ist der Wahnsinn. Wenn die Kasseler Fans dann noch mit einer Choreo anreisen und Bad Nauheim einfach in Grund und Boden singen, dann macht das richtig Spaß.
Und ja, Philipp kriegt mit, was die Fans singen. Er kennt die meisten Lieder und singt manchmal sogar mit, wenn gerade langweilig ist. Er sagt, wenn er kein Eishockeyspieler geworden wäre, wäre er wahrscheinlich selber Ultra. Er liebt Eishockey einfach. Und wenn er in Bad Nauheim einläuft und ausgepfiffen wird, dann ist das eigentlich das Allergeilste. Das gibt so einen Push. Jetzt zeige ich es euch.

Wie man mit Fehlern umgeht, wenn sie 5.000 Leute sehen

Fehler passieren. Immer. Im Eishockey sowieso. Aber wie schaltet man um, wenn einem gerade ein Fehler passiert ist und man zwei Minuten später wieder auf dem Eis steht? Philipp erklärt, dass man es eigentlich sofort abschalten muss. Er versucht manchmal, sich selbst groß zu machen und zu lächeln, auch wenn es in dem Moment schwerfällt. Das gibt ihm wieder einen Push. Man macht, was man liebt. Fehler passieren. Wenn ein Verteidiger einen Fehler macht, ist er da. Wenn die Verteidiger einen Fehler machen, versucht Philipp, ihn auszubügeln. Aber wenn er selbst einen Fehler macht, muss er sich meistens umdrehen und die Scheibe rausholen.
Der Unterschied ist: Wenn Yannik vorne einen Puck verliert, sieht das nicht so blöd aus, wie wenn Philipp einen Fehler macht. Das ist einfach so. Während des Spiels machst du direkt weiter. Nach dem Spiel kommt es dann noch mal hoch. Da denkst du dann: Vollidiot, warum? Yannik ergänzt, dass es ihm oft schwerfällt einzuschlafen nach einem Spiel, weil man sich das ganze Spiel im Kopf noch mal durchgeht. Warum hast du dich so entschieden? Was hast du gemacht? Warum hast du es nicht anders gemacht? Man will sich ja verbessern. Und deshalb ist man wahrscheinlich Profisportler, weil man den nötigen Ehrgeiz hat.
Bei Yannik war das besonders krass im November und Dezember. Da lief einfach gar nichts. Punktetechnisch war tote Hose. Er saß zu Hause und ist das Spiel noch mal durchgegangen. Die Spieler bekommen am nächsten Tag die Spiele zugeschickt von einer speziellen Website, wo nur ihre eigenen Clips drauf sind. Das ganze Spiel, nur auf einen persönlich zugeschnitten. Und dann gehst du das durch und denkst dir: Wenn ich im Flow bin, treffe ich diese Entscheidung nicht. Warum mache ich das jetzt? Wieso bin ich so verkrampft?
Vom Kopf her sagen, okay, es ist passiert, ich habe zwei Minuten später die Chance, es besser zu machen, das ist in so einer Phase die große Kunst. Daran scheitern viele. Aber man muss dann zurück zu den Basics gehen. Vielleicht einfach mal eine Scheibe reintappen, einen Check fahren, irgendwas, das wieder Selbstvertrauen gibt.

Social Media und Kritik: Was kommt wirklich bei den Spielern an?

Die Frage, die sich viele Fans stellen: Kriegen die Spieler eigentlich mit, was auf Social Media über sie geschrieben wird? Die Antwort: Ja. Philipp sagt, man muss lernen, damit umzugehen. Vor allem jetzt, wo er zum ersten Mal in der Rolle des Starters ist. Da hat man einfach mehr Ups and Downs. Man sollte solche Kommentare eigentlich nicht lesen und einfach ausblenden. Man muss sich auf sich selbst konzentrieren, sein Spiel abrufen und nicht auf andere hören.
Bei Yannik war es ähnlich. Die Saison lief super, dann kamen ein paar unglückliche Spiele, viele Gegentore, oft geprägt von Pech. Und das fängt an, in den Kopf reinzugehen. Man muss das ausblenden und wieder seine Leistung abrufen. Für Philipp ist wichtig, dass er seinen Verteidigern und Stürmern so viel Sicherheit wie möglich gibt, damit die auch ihr Spiel machen können.
Yannik erzählt, dass er die Kritik durchaus mitbekommt. In der heutigen Zeit mit Social Media kriegst du das schon mit. Keiner von ihnen geht aufs Eis und sagt, ich schieße heute absichtlich dreimal am Tor vorbei. Aber die Leute schreiben trotzdem. Was ist mit dem los? Warum spielt der so einen Scheiß? Das nimmst du mit nach Hause. Allerdings versuchen beide, ihre schlechte Stimmung nicht mit in die Kabine zu nehmen. Das kriegt dann eher die Familie ab, die Freundin, der beste Kumpel. Yannik und Philipp machen viel privat zusammen und können sich dann gegenseitig aneinander auslassen. Dafür sind Freunde da, sagt Philipp.

Der Alltag zwischen Training, Reisen und Regeneration

An Trainingstagen treffen sie sich meistens um neun, wenn um elf das Eis ist. Dann gibt es ein Meeting, danach Krafttraining mit ihrem Athletiktrainer Jörn. Die Torhüter gehen meistens 15 Minuten früher aufs Eis, dann kommen die Jungs. Nach dem Mannschaftstraining kann man noch mal in den Kraftraum oder in die Sauna. Je nachdem, ob Dienstag oder Donnerstag ist, wird härter oder lockerer trainiert. Das wird abgestimmt je nach Gegner am Wochenende.
Aber die letzten Wochen waren brutal. Fast schon ein Playoff Format. Freitag, Sonntag, Dienstag, Freitag, Sonntag, Dienstag. Für die Fans ist das natürlich super, im Büro steigt die Stimmung, wenn wieder Spieltag ist. Für die Spieler ist es anstrengend, aber auch schön. Denn als Spieler spielst du lieber, als du trainierst. Das Training ist dann kürzer, nicht so intensiv, und du freust dich einfach, weil du jeden zweiten Tag spielst. Du kommst in einen Rhythmus rein.
Die Eiszeit variiert. Philipp hat als Torhüter natürlich 60 Minuten. Yannik als Stürmer je nach Situation zwischen 13 und 18 Minuten. Wenn viele Angeschlagene oder Verletzte da sind und man nur mit 19 Spielern spielt, dann kann es auch mal 22 Minuten werden. Bei den Verteidigern kann es sogar bis zu 27, 28 Minuten gehen. Es kommt auf das Spiel an. Wenn es intensiv ist und du 18 Minuten spielst, dann merkst du das. Aber es gibt auch Spiele, die in Anführungszeichen entspannter sind. Nach so einem Spiel sitzt du dann da und denkst, ja, das war jetzt moderat.

Wenn man mit 18 Profi wird und nicht weiß, ob man mit 30 noch in Kassel lebt

Beide sind 25, werden dieses Jahr 26. Das ist das Alter, in dem viele sesshaft werden, über Familienplanung nachdenken. Aber im Eishockey ist das anders. Du kannst heute in Kassel sein und nächste Woche in Rosenheim. In Deutschland ist das zwar nicht so krass wie in der NHL, wo man getraded wird und am nächsten Tag in einer anderen Stadt spielt. Aber die Möglichkeit, dass man innerhalb von ein paar Wochen oder Monaten den Wohnort wechselt, die gibt es.
Philipp sagt, er hat sich da noch keinen großen Kopf gemacht. Man darf nicht vergessen, dass sie es in Deutschland noch relativ gut haben. In der NHL kann es passieren, dass du kurz zur anderen Mannschaft in die Kabine rübergehst, heute gegen dein altes Team spielst und dann 3.000 Kilometer mitfliegst. Bei uns kannst du dich in gewisser Weise darauf vorbereiten. Und oft ist es auch deine eigene Entscheidung, ob du das noch willst oder nicht.
Yannik war in Mannheim, in Straubing, jetzt in Kassel. Mit 25 ist das cool, weil du ein bisschen rumkommst. Er war sogar ein Jahr in Kanada. Aber jetzt kommt langsam das Alter, wo er sagt, er muss nicht mehr unbedingt jedes Jahr wechseln. Wenn es irgendwo längerfristig klappt, kann er sich vorstellen, langfristig zu bleiben. Irgendwo ist es dann auch nervig, jedes Jahr woanders zu sein. Das ist nichts Halbes und nichts Ganzes.
Philipp hat bereits verlängert. Das heißt, er bleibt noch ein bisschen in Kassel. Für ihn ist Kassel wie ein Zuhause geworden. Seine Freundin ist hier, und die weiß von Anfang an: Der Beruf steht an erster Stelle. Das ist nicht leicht rüberzubringen, sagt Philipp. Entweder geht sie den Schritt mit oder nicht. Bei ihm hat das alles super geklappt, und er ist super dankbar. Sie bekommt zu Hause manchmal die schlechte Laune ab, aber sie ist bei jedem Spiel in der Halle und sieht, wie er gefeiert wird. Das hält sich hoffentlich die Waage.

Playoffs: Die geilste und brutalste Zeit des Jahres

Die Hauptrunde läuft noch. 14 Spiele sind noch zu spielen. Aber die Playoffs hat jeder schon im Kopf. Eishockeyspieler leben für die Playoffs, sagt Yannik. Es ist einfach etwas Besonderes, eine fünfte Jahreszeit. Aber als Sportler gilt der Fokus von Spiel zu Spiel. Jetzt kommen erstmal noch 14 Hauptrundenspiele, und ab März geht es dann richtig los. In den Playoffs kann immer alles passieren.
Die Liga ist so eng, dass man noch auf Platz eins angreifen könnte, auch wenn es gerade unrealistisch scheint. Letztes Jahr hatten sie 14 Punkte Rückstand auf Dresden und haben die noch eingeholt. Nach unten ist Rosenheim drei, vier Punkte hinter ihnen. Es ist alles so eng, dass man von Spiel zu Spiel schauen muss. Aber natürlich mit den Playoffs im Hinterkopf, weil das die geilste Zeit ist.
Philipp sagt, das letzte Spiel der Saison zu verlieren tut immer weh, egal wann. Ob im Finale oder im Halbfinale. Vor zwei Jahren haben sie das Finale gegen Regensburg verloren. Das war das Schlimmste. Man muss auf dem Eis bleiben und zugucken, wie die anderen den Pokal hochheben, sich die ersten Bierchen aufmachen und sich alle in den Arm fallen. Das ist ein Gefühl, das er nie wieder haben will. Und das ist auch das, was einen tagtäglich antreibt. Man will auf der anderen Seite stehen, den Pokal hochheben und sagen: Endlich, die ganze Arbeit hat sich gelohnt.
Das Ziel ist klar: Das letzte Spiel der Saison gewinnen. Und dafür geben sie alles.

Warum man mit 25 noch nicht ans Karriereende denkt

Beide haben eine Ausbildung. Philipp ist gelernter Werkzeugmechaniker, würde aber wahrscheinlich nicht wieder an die Maschine zurückgehen. Er kann sich gut vorstellen, nach der Karriere im Eishockey zu bleiben. Yannik ähnlich. Sein Vater hat hier gespielt, sein Großvater, seine Tante war im Eishockey. Ein Nine to Five Bürojob kann er sich nicht vorstellen. Er braucht kalte Hallen, er braucht irgendwas mit Sport, wo er aktiv ist. Nach 17, 18 bis vielleicht Ende 30 Profi zu sein, ständig unterwegs, nie wirklich im Büro, das prägt. Von einem auf den anderen Tag acht Stunden am Computer sitzen? Das kann er sich nicht vorstellen.
Mit 25 macht man sich da noch nicht so viele Gedanken. Das kommt später. Aber klar, die Gedanken hat man schon. Was machst du danach? Was hast du vor? Bei einem Spieler, der 33 ist, wird ja dann irgendwann klar, okay, in den nächsten zwei, drei Jahren muss mal schauen, wo die Reise hingeht. Aber jetzt? Jetzt genießen sie jeden Tag, den sie mit den Jungs in der Kabine verbringen können. Sie verdienen Geld mit ihrem Hobby. Es gibt nichts Schöneres. Und das versuchen sie so lange zu machen wie möglich.
Yannik sagt es am Ende ganz klar: Das Ziel ist, das letzte Spiel der Saison zu gewinnen. Und das ist auch ein gutes Schlusswort.
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