Wie alles begann: Ein Suchauftrag und zwei Tage später die erste Besichtigung
UrsprĂ¼nglich wollten sie bauen. Ganz klassisch, neu, von der Stange. Dann kam der Termin beim Hausbauunternehmen und der Traum war schnell vorbei. Zu teuer fĂ¼r das, was sie sich vorgestellt hatten. Also Plan B. Eine Bestandsimmobilie kaufen und sanieren. Aber nicht irgendwo, sondern in ihrer Gemeinde. Maximal zwei Dörfer kamen infrage. Spiekershausen oder FĂ¼rstenhagen, also im direkten Umfeld von Kassel. Ein Kompromiss, den beide eingehen konnten.
Kristina richtete einen Suchauftrag ein. Ende Oktober kam das ExposĂ©. Zwei Tage später stand Marvin allein zur Besichtigung im Haus. Kristina war gerade ihr Brautkleid anprobieren. Seine Nachricht danach bestand aus einem Wort: "Geisteskrank." Kristina wusste nicht, ob positiv oder negativ. Dann schickte er ein Video vom Eingangsbereich. Sechs Meter hohe Galerie. Da war klar, sie muss sich das auch ansehen. Weitere zwei Tage später waren sie gemeinsam dort, mit Makler und EigentĂ¼merin. Kristina stand in der Galerie und dachte: "Ja, kann ich mir super gut vorstellen." Direkt vor Ort bekamen sie den Zuschlag. Kristina rief ihre Mutter an und sagte: "Ich glaube, wir haben gerade ein Haus gekauft." Die Antwort: "Nee, ach, gar nicht." Doch. Hatten sie.
Was viele nicht sehen: Der Zustand war okay
Das Haus war in den 70er Jahren gebaut worden, irgendwann in den 90ern vielleicht mal etwas gemacht. Die Substanz war gut, aber alles mindestens 20 bis 30 Jahre alt. Nicht baufällig, aber eben auch nicht neu. Marvin hatte bei der ersten Besichtigung vor allem eins gedacht: "Das könnten wir so niemals neu bauen. Diese GrĂ¶ĂŸe, diese Galerie, die Garagen. Das ist heute unbezahlbar." Gerade im Raum Kassel ist das ein Gedanke, den viele Käufer bei Bestandsimmobilie
n haben. Er hatte sofort die Fantasie, wie es aussehen könnte, wenn alles neu ist. Aber was es kosten wĂ¼rde, wusste er nicht.
Und hier kommt der erste Fehler. In der Kostenaufstellung fĂ¼r die Bank hat Marvin das Dach vergessen. Einfach vergessen, obwohl sie wussten, dass sie es machen wollen. "Wir waren total naiv", sagt er heute.
Die Naivität hat ihren Preis und manchmal auch doppelt
Am Anfang dachten sie, Elektrik vielleicht nur im Erdgeschoss erneuern. Dann merkten sie, wenn wir jetzt schon alle Wände aufmachen, machen wir es gleich komplett. Alte Elektrik mit neuer zu kombinieren ist keine gute Idee. Also komplette Elektrik neu. Dann die Galerie. Die war fertig verputzt, der FuĂŸboden drin, und trotzdem entschieden sie sich, die Treppe abzureiĂŸen. Die alte Betontreppe hing in der Wand und passte einfach nicht. Das Ergebnis war doppelte Arbeit. Wände neu machen, FuĂŸboden beschädigt, alles nochmal. Zwei, drei Wochen sind sie mit einer Bauleiter hoch in den zweiten Stock, einfach weil die neue Treppe noch nicht da war. Kristinas Fazit: "Planung ist wirklich das A und O."
Learning Nummer 1: Nimm dir Zeit und hol dir Expertise
Zwischen erster und zweiter Besichtigung sollte man sich Zeit nehmen und jemanden mitnehmen, der Ahnung hat. Einen Sachverständigen, einen Handwerker oder jemanden, der schon einmal saniert hat. Marvin und Kristina hätten das machen sollen. Haben sie aber nicht. Beispiel Bäder. Sie wollten beide sanieren. Hätte eine Sanitärfirma von Anfang an draufgeschaut, hätten sie gesagt: "Wenn ihr beide Bäder macht, macht auch gleich die Steigleitung neu." Das haben sie im Nachgang gelernt. Teuer gelernt. Auch der Kaufpreis wurde nicht verhandelt. Der Wunsch nach dem Haus war so groĂŸ, dass sie einfach Ja gesagt haben. Mit mehr Zeit hätten sie vermutlich noch ein paar Tausend Euro sparen können.
Learning Nummer 2: Entsorgungskosten werden unterschätzt
Nach den ersten 14 Tagen auf der Baustelle standen 6.000 Euro Entsorgungskosten im Raum. Nirgendwo eingeplant, nirgendwo aufgetaucht. Und das war erst der Anfang. Dann kam das Dach. Allein die Entsorgung kostete 2.500 Euro fĂ¼r Container und Transport. Mit Freunden haben sie das Dach abgedeckt, damit es Ă¼berhaupt leer wird. AuĂŸenanlagen waren noch schlimmer. Erde will keiner haben. Und wenn man sie loswerden will, kostet das richtig Geld. Das sind Posten, die viele bei einer Haussanierung in Kassel und Umgebung nicht auf dem Schirm haben.
Von März bis Januar: Zehn Monate Baustelle
März 2021 bekamen sie den SchlĂ¼ssel, im Januar 2022 sind sie eingezogen. Zehn Monate Baustelle. Vollzeit arbeiten, Freitag, Samstag und Sonntag auf der Baustelle, abends auch mal kurz vorbei. Kristina war teilweise im Homeoffice, ist in der Mittagspause hochgefahren, hat nach dem Rechten geschaut und ist danach noch zum Baumarkt. "Irgendwann hat man die Geduld verloren und wollte einfach nur noch rein", sagt sie. Und das merkt man heute noch. Kleinigkeiten, die stören. FuĂŸleisten nicht ordentlich ausgespritzt, hier und da Schönheitsfehler. Dinge, die man mit mehr Zeit besser gemacht hätte. Aber irgendwann will man einfach in sein Haus.
Die Finanzierung: Sparkasse und eine wichtige Lektion
Finanziert haben sie Ă¼ber die Sparkasse. Marvin war damals dort angestellt, hat seine eigene Finanzierungsanfrage aber Ă¼ber einen Vermittler eingereicht, weil die Zinsen besser waren. 0,6 Prozent. Heute kaum vorstellbar. Auch hier ein Learning. Sie hatten nur sechs Monate bereitstellungszinsfreie Zeit. Marvin rät heute jedem Kunden zu zwölf Monaten. Sonst droht schnell eine Doppelbelastung aus Miete und Darlehensrate. Bei ihnen hat es funktioniert, weil sie bei Marvins Eltern wohnen konnten. Keine Miete, kein Druck. Die Sparkasse war auĂŸerdem kulant. Als Marvin anrief und sagte, er brauche Geld fĂ¼rs Dach, obwohl das nirgendwo eingeplant war, wurde das durchgewunken.
Das Geld: Wie funktioniert die Auszahlung
Nach dem SchlĂ¼sseltermin sagten sie der Bank: "Zahlt uns schon mal einen Teil der Modernisierungsmittel aus, damit wir nicht jede Kleinrechnung einzeln einreichen mĂ¼ssen." Das Geld kam auf ihr Konto. Davon haben sie Material gekauft, Anzahlungen geleistet und Rechnungen beglichen. Wenn das Geld zur Neige ging, sind sie zur Bank gegangen, haben Rechnungen, Fotos und ihre Excel Liste gezeigt. Das hat Vertrauen geschaffen und die nächste Auszahlung ermöglicht. Ein klarer Vorteil von Regionalbanken.
Die emotionale Seite
Finanziell war es machbar. RĂ¼cklagen waren da, die Gehälter sind gestiegen, die Zinsen waren gĂ¼nstig. Nervlich war es trotzdem anstrengend. "Du hast in diesen zehn Monaten keine Minute mit ruhigem Gewissen Freizeit", sagt Marvin. Jeder Anruf bedeutet: "Das wird jetzt wieder teurer." Freizeit fĂ¼hlt sich oft falsch an, weil man weiĂŸ, dass eigentlich noch etwas zu tun wäre. FĂ¼r die Beziehung war es trotzdem okay. Sie hatten ein gemeinsames Ziel. Aber Marvin sagt heute jedem Kunden klar: "Es wird anstrengend. Das ist ein echtes Commitment."
Die schönen Momente bleiben
Nicht alles war Stress. Es gab auch richtig schöne Momente. Zum Beispiel, als sie zu zehnt einen 750 Kilo schweren Stahlträger ins Haus gewuchtet haben. Danach gab es WĂ¼rstchen. Oder die AuĂŸenanlagen, die fast schon kleine StraĂŸenfeste waren. Familie und Freunde haben angepackt. Diese Erinnerungen bleiben. Und irgendwann sitzt man auf der eigenen Couch und weiĂŸ genau: "Das haben wir geschafft."
WĂ¼rden sie es wieder tun
Ohne zu zögern. Ja. Marvin wĂ¼rde das gleiche Haus wieder kaufen und genauso sanieren. Mit heutigem Wissen hätte er sogar mehr finanziert, weil das Geld damals so gĂ¼nstig war. Kristina sagt: "Auf jeden Fall. Es war anstrengend, aber es hat sich gelohnt." Jeden Abend, wenn Marvin nach Hause kommt, denkt er: "Wow, das haben wir geschafft. Das ist unser Haus." Und das ist unbezahlbar.
Fazit
Kristina und Marvin haben ihr Traumhaus. Es war anstrengend, teurer als geplant und nervenaufreibend. Aber sie wĂ¼rden es jederzeit wieder tun. Und genau deshalb können sie Kunden in Kassel und Umgebung heute so gut beraten. Nicht aus der Theorie, sondern aus der Praxis. Und das macht den Unterschied.